Die "Vegan-Kontroverse"

 

Immer mehr Menschen werden Veganer. Vegan, dass heißt in der Regel nicht bloß Essen ohne jegliche tierische Produkte, sondern auch das ganze Leben vegan zu gestalten. Also auch der Verzicht auf Leder, Kosmetikprodukte mit tierischen Inhaltsstoffen (wie zum Beispiel Bienenwachs in Lippenpflegestiften u.a.) und sogar Putzmittel. Auch die Kleidung sollte aus möglichst fairer Herstellung (fair für Menschen und Umwelt) stammen. Grundsätzlich ist gegen all diese Dinge nichts einzuwenden. Was mir aber häufig auffällt, ist, dass sobald ein Mensch verkündet nun vegan essen oder leben zu wollen, mindestens zwei Gruppen von Menschen aufeinander treffen und es einen regelrechten Streit darüber gibt, was nun zu viel des Guten ist oder eben auch nicht. Häufig darunter sind die "Fleischesser" die diesen ganzen "Vegan-Hype" nicht verstehen und akzeptieren wollen. Auf der anderen Seite die "eingeschworenen Veganer", die, kaum möchte jemand vegan leben, ungefragt mit nützlichen Tipps daherkommen oder einem moralische Vorwürfe machen, dass dies oder das doch nicht vegan sei und man doch darauf achten soll jenes zu unterlassen usw... Es entsteht eine nicht enden wollende Debatte darüber, was OK ist und was nicht.
 
Ich kann das alles nicht ganz nachvollziehen. Wie Ihr schon in meinem Artikel Vegetarier mit Ausnahmen? lesen konntet, ordne ich mich selbst nirgendwo so richtig unter. Ich esse selbst wenig bis kaum Fleisch und auch sonst nicht viel tierische Produkte. Auch meine Kosmetik ist immer häufiger vegan, jedoch muss das für mich nicht zwangsläufig sein. Dennoch bemühe ich mich möglichst Umweltbewusst zu leben und mit meinem Lebensstil so wenig wie möglich Leid zu verursachen oder Schaden anzurichten. Aber ich denke, dass sich kein Mensch darüber aufzuregen hat, was ein anderer Mensch sich auf den Teller packt oder nicht. Es bleibt doch jedem selbst überlassen, wie er sein Leben gestalten möchte, welche Art von Industrie er unterstützen möchte oder ob er Fleisch isst oder nicht. Ich denke, viele "Fleischesser" haben ein schlechtes Gewissen, fühlen sich irgendwie schlechter dargestellt oder haben Angst angeprangert zu werden, wenn jemand sich zu dem Schritt entschließt, vegan leben zu wollen. Konventionell Essende schütteln dann häufig mit dem Kopf und können oder wollen es offensichtlich nicht nachvollziehen, wie jemand auf Tierisches verzichten kann oder möchte. Wiederrum gibt es viele Veganer, die versuchen die Fleischesser zu bekehren und ihnen in der Tat regelrecht ihr Essen miesmachen und ihnen ins Gewissen reden - häufig ungefragt. Das ist nicht in Ordnung. Denn NIEMAND hat IRGENDJEMANDEN zu erzählen, was er zu tun und zu lassen hat!
 
Man darf jedoch gern aufklären - in einem gewissen Rahmen. Nicht jeder weiß um die missliche Lage in der Massentierhaltung. Und nicht jeden interessiert es. Es nutzt nichts weiter auf jemanden einzureden, wenn er sich selbst nicht dafür interessiert. Ich denke jedoch, jeder Mensch sollte zumindest einmal ganz bewusst darüber nachdenken, wo sein Essen herkommt und welche Alternativen es gibt. Aber dieser Schritt muss von einem selbst kommen. Man muss ja nicht gleich ganz auf Fleisch verzichten, aber sofern es in den Möglichkeiten des Einzelnen liegt, kann man zu Bio-Feisch greifen oder direkt zum Hofladen gehen. Jeder Mensch sollte zumindest einen kleinen Beitrag zur Umwelt leisten, sofern er es kann und da, wo er es möchte. Wenn jeder nur einen kleinen Schritt in die richtige Richtung geht und jeden akzeptiert, so können wir alle schon viel für unseren Planeten tun. Man kann bewusst auf Fisch aus zertifizierter MSC-Fischerei zurückgreifen und gefährdete Fischsorten liegen lassen. Man kann, wenn man es sich ab und zu leisten kann, auf Bioware zurückgreifen. Es muss ja nicht immer sein, aber wenn etwas Geld übrig ist, lohnt sich der Griff zur Fair-Trade-Milch doch schon. Wir können alle unsere Stofftragetaschen oder Körbe mit in den Supermarkt nehmen und wenn möglich auf Plastiktüten verzichten. Auf der Website des WWF kann man zum Beispiel kostenlos den Einkaufsratgeber Fisch und Meeresfrüchte herunterladen. Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu informieren, wie man Gutes tun kann ohne gleich Veganer zu werden. Bemühen Sie sich doch einfach ein wenig auf Umwelt- und Tierfreundlichkeit zu achten, eben so, wie Sie es für sich entscheiden und sie brauchen keinem Veganer mehr missgünstig zu begegnen und auch kein schlechtes Gewissen zu haben. Und ich bitte auch alle Veganer darum, verständnis für Nicht-Veganer zu haben und auch frisch gebackene Veganer nicht gleich zu überfallen mit noch mehr Informationen, denn der Einstieg ist schon schwer genug und man muss dort nach und nach hereinwachsen. Auch Sie waren sicherlich noch nicht immer Veganer und haben auch zu Beginn nicht alles 100%-ig perfekt gemacht. Üben Sie sich in Nachsicht.
 
Niemand ist perfekt und wir sind alle nur Menschen. Niemand wird jemals in der Lage sein, es allen Recht zu machen - und das soll man auch gar nicht. Wichtig ist doch nur, dass man mit sich selbst im Reinen ist und sich und andere akzeptieren kann.

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